Drei Nationalspieler, drei Perspektiven: Im Vorfeld des 52. Yellow Cup geben Lukas Laube, seit dieser Saison beim Topklub THW Kiel, Youngster Luca Sigrist und Bundesliga-Neuling Gino Steenaerts Einblicke in ihre aktuelle sportliche Situation sowie ihre Rollen im Nationalteam.
Lukas, du hast diesen Sommer für ein grosses Ausrufezeichen gesorgt: Als erster Schweizer überhaupt neu in den Diensten des Spitzenklubs und Rekordmeisters THW Kiel. Beim THW zählen Titel und Leistung. Inwiefern hat sich der Alltag nach dem Wechsel von deinen Erwartungen unterschieden? Wie hat sich dein Verständnis von Spitzenhandball verändert?
Grundsätzlich hat sich im Alltag nicht extrem viel verändert. Was man in Kiel aber ganz klar spürt, ist, dass der Verein von Erfolg geprägt ist. Titel gehören zur DNA des Klubs und entsprechend hoch sind die Erwartungen mit dem klaren Ziel, den nächsten Titel zu holen.
Jeder weiss, wofür er hier arbeitet und dieser Anspruch ist in jeder Trainingseinheit und in jedem Spiel präsent.
Mit den Erfahrungen aus einem absoluten Topklub wie dem THW Kiel im Gepäck kommst du an den 52. Yellow Cup. Welche Impulse kannst du aus Kiel in die Schweizer Nationalmannschaft einbringen?
In Kiel spürt man, dass man jedes Spiel gewinnen will – unabhängig vom Gegner oder vom Wettbewerb. Diese Mentalität habe ich schon immer in mir getragen und genau die möchte ich auch in der Nationalmannschaft vorleben und weitergeben.
Dazu kommt die Erfahrung unter grossem Druck konstant Topleistungen abrufen zu müssen. Man lernt Verantwortung zu übernehmen und auch in entscheidenden Momenten ruhig und klar zu bleiben.
Mit deinen 25 Jahren und bis zum Yellow Cup vier Jahren Nationalmannschaftserfahrung gehörst du bereits zu den gestandenen Naionalspielern. Welche Ziele hast du dir selbst gesetzt und was traust du der Schweizer Nationalmannschaft bei der EM zu?
Ich habe mir für die EM grosse Ziele gesetzt. Wir verfügen über eine Mannschaft mit enorm viel Qualität.
Unser klares Ziel als Team ist es, die Hauptrunde zu erreichen und dann schauen wir weiter. Wenn wir unser Leistungsniveau abrufen, mutig auftreten und als Einheit funktionieren, ist definitiv mehr möglich. Entscheidend wird sein, dass wir an uns glauben und unser Spiel konsequent durchziehen.
Luca, bei deinem aktuellen Klub HC Kriens-Luzern habt ihr Ende Oktober die fertiggestellte Pilatus Arena mit einem Sieg einweihen dürfen. Wie fühlt es sich an in eurem neuen Zuhause zu spielen?
Es ist sehr schön in der Pilatus Arena zu spielen. Wir mussten lange auf die Arena warten und fühlen uns nun endlich so richtig Zuhause. Die Stimmung ist super und wir konnten bis jetzt in jedem Spiel einen guten Zuschauerschnitt erreichen. Die Energie von den Zuschauern spüren wir natürlich auch auf dem Feld.
In der Meisterschaft seid ihr mit sieben Verlustpunkten vorne mit dabei, im Cup kam das Aus im Achtelfinal, und international endete eure Reise in der Gruppenphase der European League. Mit Blick auf deine Abschlusssaison bei den Innerschweizern: Welche Ziele hast du persönlich und fürs Team gesetzt?
Bis jetzt läuft die Meisterschaft gut und wir sind voll im Rennen. Natürlich schmerzt das Cup-Aus ebenso wie das internationale Verabschieden, aber das gehört halt manchmal auch dazu. Es hat uns aber als Team wachgerüttelt und konnte uns so Energie geben.
Für die letzte Saison bei Kriens-Luzern habe ich mir nichts Besonderes vorgenommen. Ich werde weiterhin immer alles geben und mit dem Team wollen wir natürlich das Bestmögliche rausholen.
Ab nächster Saison bist du neu bei der MT Melsungen in der ersten Bundesliga unter Vertrag. Was wünschst du dir für deinen Start in dein Auslandabenteuer? Was sind deine Erwartungen an dich selbst und an das neue Team?
Ich freue mich extrem auf die neue Aufgabe in der Bundesliga. Für den Start wünsche ich mir vor allem, dass ich dort gut ankomme, mich schnell integrieren kann und natürlich gesund bleibe. Ich weiss, dass es nochmals ein höheres Niveau sein wird und durch das erwarte ich natürlich von mir, dass ich mich stetig weiterentwickle und meine Rolle im Team finde. Vom Team erwarte ich, ein tolles Umfeld und auch dass wir zusammen erfolgreich sein werden.
Mit den Verletzungen von Manuel Zehnder und Jonas Schelker haben sich auf der Spielmacherposition neue Konstellationen im Nationalteam ergeben. Wie nimmst du deine aktuelle Rolle in der Nationalmannschaft wahr?
Natürlich hat sich für mich durch die Verletzungen von Jonas und Manuel eine Chance eröffnet. Diese Chance habe ich zu nutzen versucht und habe bei jedem Einsatz, welchen ich bekommen habe, alles gegeben. Mit mehr Spielzeit wächst auch immer die Verantwortung.
Gino, deine erste Bundesliga-Saison bei den Rhein-Neckar Löwen läuft seit einigen Monaten. Sportlich bewegt ihr euch im Mittelfeld, persönlich hast du bisher weniger Spielzeit erhalten als erhofft. Wie schwierig ist es mental, in diesem Umfeld geduldig zu bleiben? Und wie gehst du damit um? Konntest du dabei auch von Ratschlägen deines Nationaltrainers und Löwenlegende Andy Schmid profitieren?
Klar wünscht man sich immer, dass man spielt und dass man Einsatzzeit bekommt. Aber es ist jetzt auch – wie gesagt – eine neue Situation, eine neue Liga, viel ein höheres Niveau, alles ist neu und das braucht seine Zeit, dass ich mich dort reinfinde. Die Trainer und die Mitspieler geben mir auch das nötige Vertrauen. Sie helfen mir, wenn ich spiele, dass ich ins Spiel reinfinde. Sie haben einen Plan mit mir und dem vertraue ich. Ich versuche das Beste rauszunehmen und versuche mich immer weiterzuentwickeln. Klar hat man da manchmal auch Kontakt mit Andy, weil er ja – wie gesagt – eine Löwenlegende ist.
Wie ist es für dich gerade auch in Anbetracht dessen mit dem Routinier und Löwenurgestein Patrick Groetzki die Rechtsaussen-Position zu teilen? Inwiefern kannst du von seiner jahrelangen Erfahrung auf Weltklasseniveau für deine eigene sportliche Zukunft profitieren?
Man kann davon eigentlich fast nur profitieren. Ich glaube, in den letzten zehn Jahren ist er einer der besten Flügelspieler weltweit gewesen – sehr konstant. Ich kann sehr viel von ihm lernen und er kann mir auch Tipps geben, weil er sieht, was ich noch verbessern kann und was noch nicht ganz so gut ist. Klar, ist es nicht immer ganz einfach hinter einem solchen Spieler auf der Position zu sein, weil man dann halt auch eher einmal etwas weniger spielt. Aber ich glaube, dass verkrafte ich ganz gut und wenn ich dann mal zum Spielen komme, ist er der Erste, der mich unterstützt und mir Tipps gibt.
Seit deinem Debüt im Mai 2024 geht es in der Nationalmannschaft stetig bergauf und du bist trotz deiner jungen Jahre bereits ein fixer Bestandteil des Schweizer Teams geworden. Wie bereitest du dich persönlich auf deinen zweiten Yellow Cup sowie die anstehende EHF Euro in Skandinavien vor?
Vor allem verspüre ich eine grosse Vorfreude mit diesem Team den Yellow Cup und natürlich auch an der Europameisterschaft in Oslo spielen zu dürfen. Ich glaube, da spreche ich für alle von unserem Team, dass eine enorme Vorfreude vorhanden ist. Hoffentlich kann ich dort dann auch etwas mehr spielen und so für mich wieder etwas mehr Spielpraxis sammeln.




